Haupt- und Lehrrettungswache mit vielen zentralen Aufgaben

Die Tübinger Haupt- und Lehrrettungswache befindet sich seit 1978 im Steinlachwasen 26 in Derendingen. Also sehr zentral im Landkreis und mit guter Verkehrsanbindung: Von hier aus sind die beiden großen Bundesstraßen optimal erreichbar, außerdem schaffen es die Retter, die meisten Ortschaften im Kreis innerhalb von 15 Minuten anzusteuern.

Aktuell sind auf der Rettungswache Tübingen sechs Rettungswagen stationiert (drei im Einsatz, drei in Reserve). Hinzu kommen zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und 17 Krankentransportwagen. Zusätzlich gibt es ein Spezialfahrzeug für Transporte von Patienten im eigenen Rollstuhl sowie eines für besonders schwergewichtige Patienten. Die Rettungswache Tübingen unterstützt täglich die benachbarten Rettungswachen: Wenn deren einziges Team im Einsatz ist, wird ein Tübinger Fahrzeug zur Gebietsabdeckung bereitgestellt.

Die Rettungswache Tübingen ist auch Notarzt-Standort. Rund um die Uhr ist ein Notarzt im Schichtdienst präsent. Zusätzlich sind oft Ärzte mit im Einsatz, die gerade die Weiterbildung zum Notarzt absolvieren.
In Tübingen fahren Notärzte nie im Rettungswagen zum Einsatz. Sie nutzen rund um die Uhr ein separates Fahrzeug und sind somit flexibler (in der Fachsprache: Rendezvous-System). Sollte ein zweiter Notarzt gebraucht werden, rückt dieser aus Rottenburg oder auch aus umliegenden Landkreisen nach.

Leiter der Rettungswache ist seit 2013 Eckhard Kranz, sein Stellvertreter ist Björn Schepers. Mit insgesamt etwa 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die im Schichtdienst arbeiten, ist die Rettungswache Tübingen die größte im ganzen Landkreis. Hinzu kommen rund 70 Freiwillige, die beim DRK-Kreisverband ihr FSJ oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Zur Unterstützung kann die Leitstelle auch Mitarbeiter, die gerade frei haben, sowie ehrenamtliche Helfer des Kreisverbands alarmieren.

Zentrale für alle Rettungswachen im Kreis

Zentrale für alle Rettungswachen im Kreis

Von Tübingen aus werden zentral die Dienstpläne für alle Rettungswachen im Landkreis gemacht. Außerdem ist in der Rettungswache Tübingen auch das Zentrallager: Hier gibt es alles, was in den Rettungswagen an Material verbraucht wird - beispielsweise Verbände, Infusionen, Ersatzgeräte, Medikamente, Trage oder auch Kuscheltiere, mit denen kleine Patienten getröstet und beruhigt werden können.

In der zentralen Wäscheausgabe gibt es Bettwäsche für die Fahrzeuge, ebenso auch Einsatzkleidung und Schuhe für die Beschäftigten.

Tübingen ist auch die Zentrale für die Kommunikationstechnik des DRK im Landkreis: Hierzu zählen die mobilen Datenübertragungsempfänger, die in allen Einsatzfahrzeugen eingebaut sind, damit die Leitstelle alle Informationen zum aktuellen Einsatz ins Fahrzeug senden kann. Dazu kommen spezielle Navigationsgeräte, Funkgeräte sowie die Funkmeldeempfänger, mit denen Einsatzkräfte und Helfer alarmiert werden können.

Eine eigene Werkstatt für Einsatzfahrzeuge

Eine eigene Werkstatt für Einsatzfahrzeuge

Auf dem DRK-Gelände im Steinlachwasen ist neben der großen Fahrzeughalle auch eine eigene KFZ-Werkstatt. Dort hält ein KFZ-Meister die insgesamt über 120 Fahrzeuge des Kreisverbands instand: vom Kundendienst über Reifenwechsel und kleinere Reparaturen bis zum Achsschaden. Große Reparaturen werden in Zusammenarbeit mit anderen Fachwerkstätten erledigt.

Praktische Ausbildung im Rettungs-Alltag

Praktische Ausbildung im Rettungs-Alltag

Die Rettungswache Tübingen ist die einzige Lehrrettungswache des DRK-Kreisverbands im Landkreis.  Das bedeutet: Hier durchlaufen zahlreiche junge Menschen Teile ihrer Ausbildung. Dazu zählen die Praxiseinsätze der Ausbildung zum Rettungshelfer und Rettungssanitäter sowie das berufspraktische Jahr der angehenden Rettungsassistenten. Pro Jahr sind bis zu 30 Praktikanten im Einsatz.

Geschichte: Von Pferdefuhrwerken und motorisierten Hilfen

Geschichte: Von Pferdefuhrwerken und motorisierten Hilfen

Anno 1886 nutzte die neu gegründete Sanitätskolonne in Tübingen vor allem Pferdefuhrwerke und auch fahrbare Tragen. Im damaligen „Rettungswesen” ging es vor allem darum,  Patienten in die Kliniken zu transportieren. Durchgeführt wurde dies von Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn.

1922 kaufte sich die Sanitätskolonne Tübingen eine neue Trage mit Gummireifen. Der Sprung in eine neue Zeit folgte wenig später, im Jahr 1927: Da schaffte die Sanitätskolonne das erste Motorfahrzeug an, einen Magirus Dux. Ab 1929 wurde eine erste ständige Wache eingerichtet, in der damaligen Polizeiwache an der Neckarbrücke. Sie war aber nur an Wochenenden im Sommerhalbjahr in Betrieb. 1931 wurde der Dux ein Opfer von Flammen, daraufhin bauten sich die Aktiven der Rotkreuz-Sanitätskolonne einen Privatwagen um. 1936 konnte der erste Mercedes angeschafft werden, in ihm ließen sich sogar zwei Tragen transportieren.

Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg

Geschichte: Nach dem Zweiten Weltkrieg

Als die Tübinger Sanitätskolonne in Sindelfingen ihren ersten Nachkriegs-Mercedes abholen konnte, musste der Fahrer selbst vier Reifen mitbringen. Im Jahre 1955 erschien erstmals die DIN-Norm 75080. Damit wurden Anforderungen festgelegt für den Bau und die Ausstattung von Krankenkraftwagen. Nach dieser Norm wurde der Krankenkraftwagen als Sonderfahrzeug definiert, das gleichermaßen für den Krankentransport und den Rettungsdienst bestimmt ist. Hier war nun erstmals offiziell die Rede von „Rettung”. Doch auch damit war noch kein Rettungsdienst im heutigen Sinne gemeint. Denn in der Praxis war nach wie vor die „Einpack-Rettung” üblich – der Patient wurde ins Fahrzeug geladen und auf dem schnellsten Weg ins Krankenhaus gefahren. Die Ausstattung der Fahrzeuge mit medizinischem Gerät war nicht der Rede wert, der Ausbildungsstand des Personals denkbar gering. Viele schwer verletzte Patienten starben während des Transports zum Krankenhaus.

Mit dem „Wirtschaftswunder” nahm die Zahl der Autos zu, und es gab immer mehr Verkehrstote und -verletzte. Das führte erneut zu der Überlegung, dass eine medizinische Versorgung am Unfallort die Überlebenschancen von schwerstverletzten Unfallopfern erheblich steigern könnte. Sowohl Ärzte als auch Assistenzpersonal waren hierfür im Gespräch.

Geschichte: Ein neues Domizil im Tübinger Süden

Geschichte: Ein neues Domizil im Tübinger Süden

In Tübingen war das DRK mit seiner Rettungswache im historischen Kornhaus in der Kornhausstraße angesiedelt, in der heutigen Fußgängerzone. Doch in den 1970er-Jahren platzte dieser Standort aus allen Nähten. Zuletzt mussten Kollegen einige Einsatzfahrzeuge mit nach Hause nehmen, weil im Kornhaus keine Stellplätze mehr vorhanden waren. Deswegen baute das DRK für den Rettungsdienst ein neues Rettungszentrum im Steinlachwasen 26, es wurde im Mai 1978 bezogen. Zwar war das dortige Industriegebiet damals noch im Entstehen, doch Rettungswache, Leitstelle, Fahrzeughallen, Werkstatt und Verwaltung waren hier wieder unter einem Dach.

Am 1. Februar 1979 war es endlich auch in Tübingen soweit: Der Notarztwagen rückte zum ersten Mal aus, "Rotkreuz Tübingen 28" wurde zu seinem ersten Einsatz alarmiert. Es war der Beginn eines regelmäßigen Notarztdienstes rund um die Uhr. Die Notärzte wurden vom Universitätsklinikum Tübingen und der berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik im Wechsel gestellt. Das Rote Kreuz stelllte hierfür die Fahrzeuge, zwei BMW 525 im Wechsel, sowie als Fahrer einen Rettungssanitäter.

Zum damaligen Zeitpunkt bestand der Rettungsdienstfuhrpark aus zwei Notarzteinsatzfahrzeugen, zehn Rettungswagen und 21 Krankentransportwagen, die aber teilweise schon museumsreif und nicht ständig im Einsatz waren. In den 1980er Jahren wurde der Fuhrpark nach und nach modernisiert.

Die berufliche Qualifikation der Retter wurde 1989 noch einmal durch ein Gesetz optimiert: Das Rettungsassistentengesetz brachte den Ausbildungsberuf zum Rettungsassistenten. Diese Ausbildung dauert zwei Jahre und bietet erstmals eine angemessen breite fachliche Grundlage für all jene Anforderungen, die an das Personal im Rettungsdienst bei seiner Arbeit gestellt werden.

Kontakt


Eckhart Kranz

Telefon 07071/7000-51

 

 

Björn Schepers


Telefon 07071/7000-51

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