Bereits auf der Anfahrt haben unsere Einsatzeinheiten einige Aufmerksamkeit erregt: Die ca. 20 Einsatzfahrzeuge fuhren als geschlossener Verband mit Blaulicht und Kennzeichnungsfahnen durch den Kreis. Eine gute Gelegenheit, um den motorisierten Marsch zu üben. In Hirrlingen angekommen sammelten sich unsere Einsatzkräfte im Bereitstellungraum und warteten auf weitere Anweisungen. Für das angenommene Erdbeben war der Einsatzauftrag folgender: Ein Behandlungsplatz soll errichtet werden, an dem Verletzte versorgt werden können, die aus dem betroffenen Nachbarkreis nach Tübingen flüchten oder evakuiert werden. Ein voll besetzter BHP 25 kann innerhalb einer Stunde 25 Verletzte in Sichtungskategorien einordnen, sie erstversorgen und für den Weitertransport stabilisieren.
Während der Übung rückte dafür zuerst das Führungsmodul aus und erkundete die Situation auf dem Platz, der bereits im Vorfeld von der Bereitschaft Hirrlingen für solche Lagen definiert wurde: Die Wiese neben dem Parkplatz der Eichenberghalle. Dann wurden nach und nach die weiteren Ehrenamtlichen hinzugeholt und der Aufbau ging los. Nach gut einer Stunde war der Behandlungsplatz aufgebaut und eingerichtet. Unser Kreisbereitschaftsleiter Jochen Wulle, der als Übungsbeobachter vor Ort war, resümierte zufrieden: „Schneller werden kann man immer, aber für die erste Übung mit allen Angehörigen der Einsatzeinheiten seit einigen Jahren ist das rund gelaufen.“ Dass es so gut klappt, liegt laut Jochen Wulle vor allem daran, dass die Ehrenamtlichen in ihren Bereitschaften sehr viel trainieren: „Jedes Modul übt seine Aufgaben für sich mehrmals im Jahr – da bleibt bei den Übungen nur noch das große Ganze zu managen.“
Der fertige Behandlungsplatz wurde am Ende nochmals besichtigt und neuen Einsatzkräften erklärt: Im sogenannten Sichtungszelt werden alle Verletzten kurz ärztlich untersucht, dokumentiert und in verschiedene Kategorien eingeteilt. Rote Patienten gehen als schwerverletzte, kritische Patienten anschließend in das Zelt 1, in dem eine umfassende Notfallversorgung auf Rettungsdienstniveau vorgenommen werden kann. Gelbe Patienten, die zwar auch schwere Verletzungen haben, aber nicht direkt kritisch sind, werden im Zelt 2 weiter sanitätsdienstlich versorgt und überwacht. Wer nur leichtverletzt ist, wird dagegen in Zelt 3 zur Selbsthilfe angeleitet oder bekommt eine ambulante Versorgung seiner Blessuren. Im Bedarfsfall gibt es außerdem noch ein viertes, blaues Zelt: Hierhin werden Patienten gebracht, deren Verletzungen so schwerwiegend sind, dass sie eine abwartende Behandlung erhalten. Sie werden psychologisch, seelsorgerisch und medikamentös in dieser Phase begleitet. Das letzte Zelt ist das Ausgangszelt, in dem die weiter zu transportierenden Patienten abschließend untersucht und dokumentiert werden. Wenn Transportfahrzeuge ankommen, werden die stabilisierten Patienten dort der Reihe nach zum Transport in die Kliniken übergeben – und wiederum mit ihrer Zielklinik registriert.
Anschließend wurde der BHP 25 wieder rückgebaut - dank der guten Verpflegung ging das auch sehr zügig vonstatten. So konnten alle Einsatzkräfte noch den restlichen Samstag mit ihren Familien genießen. Wir bedanken uns bei allen Einsatzkräften, die sich im Katastrophenschutz engagieren, regelmäßig üben und im Ernstfall bereit sind, für die Bevölkerung in den Einsatz zu gehen!
